Historie

Die Entwicklung der Rassen

Die Bezeichnung "Bracke"

Der Ursprung des Namens "Bracke" ist unklar. Die Gesetze der germanischen Volksstämme sprechen noch vom "Segusier" oder "Seusier" und meinen die auf Spur und Fährte anhaltend laut jagenden Hunde. Seit dem 7. Jh. wird die Bezeichnung "Segusier" allmählich von "Bracke" verdrängt. Erstmals taucht sie in den Kirchenformeln des Mönches Marculf auf. Im Hochmittelalter bezeichnet man mit Bracke vornehmlich den Leithund sowie die speziell zur Schweißarbeit eingesetzten Bracken. In der Neuzeit spricht man dann allgemein von "jagenden Hunden", "Jagdhunden" oder "Wildbodenhunden". Erst zu Beginn des 19. Jh. wird die alte Bezeichnung "Bracke" wieder auf alle laut jagenden Hunde übertragen.

Die Geschichte der Bracken

Der Ursprung der Bracken liegt im Dunkel. Erste Abbildungen von brackenartigen Jagdhunden finden wir im alten Ägypten. Daraus kann aber nicht ohne weiteres geschlossen werden, daß die Bracken dort entstanden sind. Brackenartige Hunde können auch unabhängig voneinander an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sein.
 
Mutmaßliche Abstammung der Bracken

 

Die Rassengruppe der Bracken oder Laufhunde ist morphologisch breit gestreut. Manche Rassen ähneln Windhunden, während andere dem Doggentypus nahe stehen. So erfolgt die Zuordnung zu dieser Rassengruppe nicht nach dem Körperbau, sondern nach einem psycho-physiologischen Merkmal. Danach werden alle Hunde als Bracken oder Laufhunde bezeichnet, die auf Spur und Fährte anhaltend laut jagen. Nach geographischer Verbreitung und morphologischen Kennzeichen werden die Bracken des Südens, des Westens, des Ostens und der Mitte unterschieden:

Die Bracken des Westens gehen auf die Keltenbracke (s.u.) zurück. Sie zeichnen sich durch sehr lange, gefaltete und tief angesetzte Behänge sowie durch schmale Schädel mit hervortretendem Hinterhauptbein aus. Im Unterschied zu den windhundähnlichen Bracken des Südens handelt es sich um kräftige, starkknochige und zum Teil sehr große Hunde. Ihr Laut ist tief und wohlklingend. Wichtigste Vertreter sind der St. Hubertushund (Bloodhound), die französischen Parforcehunde, der Segugio Italiens, die Laufhunde der Schweiz, Beagle, Harrier und Foxhound in England und der aus dem altdeutschen Leithund entstandene Hannoversche Schweißhund.

Die Bracken der Mitte, auch Intermediäre Bracken genannt, stehen geographisch und morphologisch zwischen den zuvor genannten; doch besteht zu den Bracken des Westens eine enge genetische Beziehung. Zu dieser Gruppe gehören die deutschen und österreichischen Bracken, die Stövare der skandinavischen Länder und die zahlreichen Rassen und Schläge des Balkans, Griechenlands und der Türkei.

Die berühmteste Bracke der Antike war aber der Segusier der Gallier, benannt nach dem keltischen Volksstamm der Segusianer, die zwischen Loire und Rhone ansässig waren. Nach Arrianus Flavius (um 95 bis 180 n. Chr.), einem Römer griechischer Herkunft, zeichnete sich diese Keltenbracke durch eine besonders feine Nase, eine bedächtige Suche und durch langsames, aber leidenschaftliches Jagen mit hellem Hals aus. Arrian vergleicht ihren Gesichtsausdruck mit dem von Straßenbettlern; sie böten einen leidvollen Anblick und die am höchsten im Blute stehenden Hunde sähen besonders unglücklich aus. Arrian spielt hier auf die langen, tief angesetzten Behänge und die lose, viele Falten werfende Kopfhaut der Keltenbracke an.

Heute gilt die Keltenbracke als Ausgangsrasse für die Bracken des Westens. Auch die Bracken der Mitte dürften wohl alle auf diese Stammrasse zurückzuführen sein.
Die früher zahlreichen Lokalschläge wurden nach ihrer Größe in Holz- (große) und Steinbracken (kleine) eingeteilt. Die Steinbracke darf als kleine Brackenform jedoch nicht mit der Dachsbracke verwechselt werden. Die Dachsbracke ist kurzläufig und langrückig, während die Steinbracke eine quadratisch gebaute Bracke im Kleinformat war. Die Westfälische Dachsbracke ist die Niederlaufform der Deutschen Bracke.

Leider ließ man aber insbesondere in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts viele dieser lokalen Brackenschläge aussterben, so z.B. die Rote Hannoversche Haidbracke (aus der zusammen mit den alten Leithunden der Hannoversche Schweißhund entstammt), die Holsteiner Bracke oder die Cronenberger Bracke

 

 

Die wichtigste Lokalrasse Westdeutschlands war zweifellos die Westfälische Bracke, die seit 1900 offiziell als Deutsche Bracke bezeichnet wird. Ihr Hauptverbreitungsgebiet war das Sauerland mit dem angrenzenden Siegerland. Mit zunehmendem Einsatz der Bracken auf den Gesellschaftsjagden auf Schalenwild, erfuhren beide Brackenrassen jedoch eine starke räumliche Ausdehnung, so dass heute praktisch in allen größereren zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands das Geläut der Bracken zu hören ist.

 

 

Die Entwicklung der Dachsbracken 

Neben den hochläufigen Bracken begegnen uns seit dem Mittelalter auch Hunde vom Typus unserer heutigen Dachsbracken. Durch Mutation und Zuchtwahl haben sie sich schon früh aus der Gruppe der Bracken abgespalten. 
 
 Sie stellen das Bindeglied zwischen den hochläufigen Bracken und dem Dachshund, der Zwergbracke, dar. Dachsbracken sind also in aller Regel keine Kreuzungsprodukte aus Bracken und Teckeln, wiewohl auch auf diese Weise Dachsbracken entstanden sind.

Erste Hinweise auf niedriggestellte Bracken finden wir in den Gesetzen der germanischen Volksstämme. Später heißen diese in Form und Farbe sehr unterschiedlichen Hunde Biberhund, Otterhund, Dachsschliefer, Dachswürger, Dachskriecher, Basset oder Hasenhund.
 

Seit dem 16. Jh. werden allgemein zwei Arten oder Schläge unterschieden: Die kleinere Art, meist kurzhaarig und krummbeinig, wird vornehmlich für die Baujagd gebraucht und entspricht im wesentlichen unserem heutigen Dachshundtyp. Die größere ist meist stockhaarig und hat gerade Läufe. Im Bau ist sie nicht so leistungsfähig; dafür wird sie mehr zum Stöbern auf Niederwild gebraucht. Bei den Hunden dieser Art handelt es sich um die Vorfahren der Hunde, die wir heute Dachsbracken nennen.

Abstammung der Dachsbracken